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Was ist das Apothekarium?

In unserem Museum geht es um historisches Apothekeninventar.

Die Pharmazie ist die Wissenschaft von den Arzneimitteln. Und die Apotheke ist der Ort, an dem man die Arzneimittel bekommt.

Früher stellte jeder Apotheker seine Arzneimittel selbst her und musste dazu eine große Menge unterschiedlicher Grundsubstanzen vorhalten. Die dafür benötigten Gefäße fungierten gleichzeitig als repräsentatives Aushängeschild und wiesen manchmal sogar einen apothekenindividuellen Dekor auf. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine bestimmte Ästhetik, wie eine vertrauenswürdige Apotheke und ihr Inventar auszusehen hatten.

Nutzwert der Kunst

Gerade bei den Apothekengefäßen verschwamm die Grenze zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstwerk zusehends. Auch der Apothekenraum (die so genannte Offizin) entwickelte sich von einer reinen Werkstatt ohne Publikumsverkehr zu einer repräsentativen Verkaufsfläche, die mit prunkvollen Schaustücken ausgestattet war.

Im Bereich der Möbel gibt es ebenfalls spezielle Bauformen, die nur in Apotheken vorkommen. Klassisch ist der Schrank mit unzähligen, kleinen Schubladen – so etwas konnte ansonsten höchstens noch ein Krämer gebrauchen. Dieser allerdings dürfte nur in den seltensten Fällen einen kunsthandwerklichen Anspruch verfolgt haben.

Charakteristisch für Apotheken ist auch die fest aufgebrachte Beschriftung des Inhalts. Der Krämer hatte sicherlich kein größeres Problem mit Fehlgriffen, denn die Konsequenzen blieben überschaubar. Anders in der Apotheke, wo man dem Arzneimittel nicht ansehen konnte, ob vielleicht irrtümlich eine giftige Substanz eingemischt wurde.

In unserem Museum bewahren wir viele Einrichtungsgegenstände aus historischen Apotheken auf, die aber trotz aller künstlerischer Wertschätzung immer auch ihren Zweck erfüllen mussten.

Wunderkammer Apotheke

Neben den Gebrauchsgegenständen gab es in den Offizinen aber auch kuriose und exotische Objekte, die einzig der Dekoration dienten. Genau wie die Medikamente enstammten sie den „drei Reichen der Natur“ (Pflanzen, Tiere, Mineralien) und standen damit symbolisch für die Vielfalt des Warenangebots. Der Apotheker wollte sich zumindest als weitgereister Gelehrter, wenn nicht gar als Eingeweihter in magische Praktiken präsentieren. Heute würde man von einer „positiven Kompetenzvermutung“ sprechen, die es zu pflegen galt.

Die wahrscheinlich erste bildlich dokumentierte Wunderkammer gehörte dem venezianischen Apotheker Ferrante Imperato (publiziert 1599). In einem Raum neben seiner Apotheke tat sich ein wahres „Theatrum mundi“ auf:

Entsprechend dieser Tradition gibt es auch in unserem Museum einige dieser klassischen Wunderkammerobjekte – natürlich in erster Linie solche mit Apothekenbezug.

Ein halbes Jahrtausend

Unser ältestes Exponat ist ein gotischer Mörser aus dem 15. Jahrhundert; die meisten Objekte stammen aus dem „goldenen Zeitalter“ der Apothekenkultur zwischen 1700 und 1900. Danach, im Zuge der Industrialisierung der Arzneimittelherstellung, verschwand das Kunsthandwerk aus den Offizinen. Die Einzigartigkeit jeder Apotheke und ihres individuellen Angebots an selbst hergestellten Arzneimitteln wurde zugunsten einer weitgehenden Standardisierung aufgegeben bzw. vom Gesetzgeber auch erschwert.

Trotzdem würden wir auch gerne das 21. Jahrhundert repräsentiert wissen, jedoch fehlt es dazu noch an einem überzeugenden Konzept. Ein Denken außerhalb gewohnter Bahnen ist gefragt, und vielleicht hat ja der eine oder andere unserer Besucher eine zündende Idee.

Kontakt

Und wozu diese Schlange?

Die Schale der Hygieia ist ein traditionelles Apothekensymbol. Seit 1951 ist sie als bundeseinheitliches Logo in Weiß im roten A über jeder Apotheke zu sehen. In unserem Museum kann man sie in vielfältiger Gestalt antreffen. 50 Jahre lang hing sie in noch individueller Form über unserer Eingangstür, denn …

Hubertus-Apotheke 1953

… die Hubertus-Apotheke von Valentin Mayring II (1950 eröffnet, dieses Foto 1953) hatte als Emblem ein bemaltes Kupferschild mit dieser Darstellung.

Künstlerische Reproduktion des leider verschollenen Kupferschildes.

Aufgrund ihrer Häutung wird die Schlange seit jeher als Symbol der Regeneration und der Unsterblichkeit betrachtet. Daher tritt sie in der griechischen Mythologie auch als Begleittier des Gottes der Heilkunst Asklepios und seiner Töchter auf. Hygieia, die Göttin der Gesundheit (➔ Hygiene), wird meist mit einer aus einer Schale trinkenden Schlange dargestellt. Eigentlich handelt es sich dabei um die völlig ungefährliche Äskulapnatter, aber tatsächlich zu Medikamenten verarbeitet wurden eher Giftschlangen, insbesondere die heimisch zu findende Viper. Das berühmte Wundermittel Theriak enthielt schon immer Vipernfleisch als spektakulärste Zutat. Und selbst im 19. Jahrhundert wurden in Venedig noch Vipernschnüre hergestellt (in Vipernblut getauchte Seidenschnüre), die man bei diversen Beschwerden um den Hals tragen sollte.

Hygieia gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Hier mit Theriak-kompatibler Giftschlange.