Holzdosen

Blümlin unn was wolriechenden samens, soll bewaret werden in zarten büchsen…

Otto Brunfels in: Contrafayt Kreüterbuch, Straßburg 1532

Gedrechselte Dosen aus Holz mit Stülpdeckel gehörten seit dem Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zur Grundausstattung einer Apotheke, insbesondere in Deutschland und Österreich. Sie dienten vornehmlich zur Aufbewahrung von Trockensubstanzen aller Art, d. h. Kräuter, Samen, Kerne, Blüten, Wurzeln, aber auch Pulver chemischer Natur und Mineralien.

Wir kennen farbig gefasste Holzdosen bereits von Abbildungen aus dem 13. Jahrhundert, aber die ältesten erhaltenen Exemplare sind um 1500 zu datieren und stammen aus der Mohrenapotheke in Krems (Niederösterreich). Sie befinden sich seit den 1930er Jahren im Museum für Angewandte Kunst in Wien sowie im Weinstadt-Museum Krems (Niederösterreich). Alle weiteren im Antiquitätenhandel in Umlauf gebrachten so genannten „gotischen“ Holzdosen, die auf denselben – mittlerweile verstorbenen – österreichischen Sammler zurückgehen, müssen nach einer vom Deutschen Apothekenmuseum (Heidelberg) veranlassten C-14-Untersuchung als Fälschungen der Jahre 1958-1968 betrachtet werden.

Da Holz ein empfindliches und vergängliches Material ist, haben sich so wenige Dosen aus der Zeit vor 1700 erhalten, dass eine stilistische Einordnung schwer fällt. Dies ändert sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als die Formen des Spätbarock und Rokoko mit ihren kunstvoll und asymmetrisch gestalteten Rocaillen aufkommen. Auch Kronen-Kartuschen und Wappentiere erscheinen auf den nun meist zylindrischen, seltener konkav zulaufenden oder balusterförmigen Gefäßen. Die vollflächige und farbenfrohe Fassung ist ebenfalls ein recht homogenes Stilmerkmal dieser Epoche.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzt sich eine eher klassizistische Gestaltung durch, aufgrund der häufig verwendeten Girlanden auch Zopfstil genannt. Die Kartuschen werden wieder symmetrisch und die Farbfassungen dunkler bis hin zu ebenholzschwarz. Um 1800 beginnt der Übergang in die Biedermeierzeit – zunächst werden die Kartuschen zu Spitzschildern oder einfachen Ovalen, und später entfallen die Fassungen zugunsten einer holzsichtigen Optik. Die natürliche Maserung des Materials sollte nun zur Geltung kommen, wofür man mit einer Schellack-Politur sorgte.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschwindet auch das Wappenschild, und für die Beschriftung kommen vermehrt Papieretiketten zum Einsatz.

Um die Wende zum 20.Jahrhundert wird bei den in Apotheken verwendeten Dosen das Holz zunehmend ersetzt durch Pappe und Blech.


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